SF-Fantasy.de - Lese-Tipp: Das Obsidianherz
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Originaltitel:   Obsidian Hearts
Autor:   Ju Honisch
Übersetzer:  
Verlag:   Feder und Schwert
Seiten:   960 Seiten
Genre:   Gothic Novel
VÖ-Datum:   01.02.2008
ISBN:   978-3867620284
Autoren Homepage:   http://www.juhonisch.de/
     
    bestelbar bei Amazon 
       
     
UF-O-Meter:         
       
   

Das Buch ist ein insgesamt sehr gelungenes Werk, dass sowohl durch den Plot als auch durch den Stil überzeugt. Jus trockener Humor kommt wunderbar zur Geltung, und sie schafft es hervorragend, die Beweggründe der Charaktere herauszuarbeiten und auch deren Hintergründe dem Leser nahezubringen, ohne dass die Information fehl platziert oder erschlagend wirken. Es kommt genau die richtige Dosis an der richtigen Stelle, damit der Leser den Charakter versteht und seine Handlungen nachvollziehen kann, ohne dass man das Gefühl bekommt, dass diese Information irgendwo untergebracht werden musste - es passt einfach.

Besonders gut hat mir daran gefallen, dass die Charaktere, auch die nicht-menschlichen, gut dargestellt sind und man ihre Handlungen versteht - den "einfach nur bösen" Charakter gibt es - mit einer Ausnahme - nicht, sie haben alle ihre guten Gründe für ihre Handlungen. Und bei der Ausnahme ist es auch völlig in Ordnung, auch da passt das "einfach nur böse" - und bei näherer und tieferer Betrachtung gibt es auch da einen Grund, warum es so ist.

Das Setting im Bayern des 19. Jahrhunderts, wobei es aber Magie und magische Wesen, die Sí/Feyon gibt, ist sehr interessant und gut ausgearbeitet, auch werden die gesellschaftlichen Umstände gut in die Handlung integriert.

Schön ist auch, dass manche Details für den Leser von Anfang an offensichtlich, für die Charaktere aber völlig unklar sind - genau die Details, die dem Leser das Gefühl geben, den Charakteren überlegen zu sein, ohne wirklich etwas von der Handlung vorweg zu nehmen. Und von dem Charakter, den man von Anfang an am Besten einschätzen konnte, am Ende durch eine geschickt platzierte Bemerkung noch mal völlig im Unklaren zu sein, hat auch einen gewissen Charme! Gemein, aber gut gemacht. Glückwunsch!
Auch die integrierte Liebesgeschichte ist so unaufdringlich und humorvoll, dass sie zur Atmosphäre des Buches beiträgt anstatt sie zu vernichten.

Gab es auch Punkte, die mir nicht gefallen haben?

Ja, aber minimal. Bei einer Szene sehe ich den Bezug zum Rest der Handlung nicht wirklich - die patriotischen Ungarn wirken ein bisschen eingebaut, um Graf Arpard einen Grund zu geben, in diesem Hotel zu sein, da hatte ich irgendwie noch mit mehr gerechnet, aber sie waren dann plötzlich wieder verschwunden, ohne noch irgendeine Rolle zu spielen. Vielleicht nicht so elegant gelöst, aber auch kein Punkt, über den ich mir lange den Kopf zerbrochen habe, dazu war das Buch viel zu interessant.

Und an einer Stelle hatte ich das Gefühl, dass das Buch hier zu Ende sein müsste und war dann überrascht, wie viele Seiten noch kamen. Im ersten Moment war es ein seltsames Gefühl, da jetzt weiterzulesen - aber der Bogen war sehr schnell geschlagen und ich war ganz schnell einfach nur noch froh, dass es noch nicht zu Ende war und ich noch weitere spannende Seiten vor mir hatte.

Insgesamt ist dieses Buch einfach nur empfehlenswert für alle, die einen eleganten Schreibstil und Fantasy mögen.

Lisande




München 1865, das ist die Zeit des jungen Neuschwanstein-Bayernkönigs Ludwig II. und auch die Sissi-Zeit (genauer: ihrer Zeit in Ungarn) – und überhaupt nichts für mich. Romy Schneider, Heimatkitsch und k&k-Schmonzette - das geht so gar nicht.

Denkste!

Wenn ich Ju nicht schon vorher gekannt oder mich die Veröffentlichung im für Rollenspiele und (in beiderlei Hinsicht) fantastische Bücher bekannte Feder & Schwert Verlag nicht vielleicht stutzig gemacht hätte, dann hätte ich um dieses Buch einen ganz großen Bogen gemacht. Und das wäre ein großer Fehler gewesen und ich hätte ein großartiges Buch verpasst. Aber ich greife vor.

Julianes „Obisidanherz“ spielt zwar im München von Ludwig II. (der auch kurz eine kleine Gastrolle spielt) - aber auch doch nicht. Sonst wäre es auch kein Buch von Ju. In diesem Buch spielen auch Magie und Fey (Feen/Sidhe) nicht unbedeutende Rollen. Und so lässt sich das Buch nicht ganz so einfach einsortieren: geschichtlicher Roman, k&k-Romanze, Krimi und Fantasybuch.

Das Buch beginnt auf höchster Ebene: Bayernkönig Ludwig II., Abgesandte des Vatikans und des vereinigten Königreiches besprechen, wie sie ein gefährliches Manuskript wiederbeschaffen bzw. dessen Anwendung verhindern können, droht durch dieses doch eine gewaltige Gefahr für die Welt. Und so wird beschlossen, die besten Männer auf die Jagd nach den Dieben und dem Manuskript zu senden: mit Lt. Udolf von Görenczy und Lt. Asko von Orven zwei bayerische Offiziere, den britischen Offizier und Agenten Col. Delacriox, einen Meister des Arkanen sowie auf ausdrücklichen Wunsch des Königs auch die von ihm bewunderte Opernsängerin Cérise Denglot.

Unerkannt von diesen sind Graf Arpad und einige ungarische Freiheitskämpfer ebenfalls nach der Suche nach diesem Manuskript. Sie erhoffen sich dadurch eine Wende im Konflikt um Ungarn – sowie zwei weitere Parteien, von denen man aber erst später erfährt.

Nachdem diese Rahmenhandlung gesetzt ist, beginnt das Buch ganz klassisch: eine junge Damen in bestem heiratsfähigen Alter ist in München im besten Hause abgestiegen, um einen standesgemäßen Ehemann zu finden. Nun ja, zumindest versucht Corrisande Jarrencourt dieses Bild abzugeben – denn sie ist auf der Suche, nachdem ihr letzter Verlobter nur kurz vor Bekanntgabe der Verlobung ungeplant das Zeitliche segnete (bzw. gesegnet wurde). Um ehrlich zu sein, sie ist auch nicht ganz so jung wie sie aussieht – und auch wenn das Fassadenklettern manchmal praktisch sein kann, so ist nicht nur diese ihrer Fähigkeiten für eine junge Dame äußerst unschicklich und der Suche nach einer passenden Partie eher abträglich. Immerhin wird sie ganz standesgemäß von Ihrer Anstandsdame Mrs. Parslow und ihrer Zofe Marie-Jeanette begleitet. Letztere ist die Tochter einer berühmt-berüchtigten Pariser Kurtisane und soll bei den beiden die Benimmregeln der feineren Gesellschaft lernen, denn sehr zum Leidwesen von Mrs. Parslow beherrscht sie die anderen für die Nachfolge ihrer Mutter benötigten Fertigkeiten bereits...

Und just als der Leser die drei Damen kennengelernt hat, taucht ein Schatten im Zimmer auf, Corrisande fällt in Ohnmacht, die beiden anderen schreien um Hilfe, woraufhin zwei forsche bayerische Offiziere und ein finsterer britischer Offizier ins Zimmer stürmen, um den Damen in Bedrängnis beizustehen – und das Wesen zu verfolgen. Corrisande scheint als Einzige die Fähigkeit zu besitzen, das Erscheinen des Schattens zu spüren. Und ab da überschlagen sich die Ereignisse...

Beim Verfolgen der Personen und Handlungen liest man sich ganz nebenbei und selbstverständlich in die Moralvorstellungen und Benimmregeln der damaligen Gesellschaft ein. Nirgendwo muss erklärt werden, warum dies denn nun gesellschaftliche Unmöglichkeit gewesen sein sollte, oder weshalb sich „man“ nun so und nicht anders gibt. In anderen Büchern müssen dafür Zusatzkapitel oder längliche Fußnoten herhalten, hier wird das schon im Text durch die Gedanken und Taten der Personen klar, ohne dass einem Erklärungen auffallen würden. Alles fühlt sich dadurch natürlich und richtig an.

Ähnlich gut sind auch die Persönlichkeiten gezeichnet: lebendig, vielschichtig, jede mit ihren eigenen, nachvollziehbaren Motivationen – was Juliane Honisch insbesondere auch bei dem ganz und gar nicht-menschlichen Sí in seiner (titelgebenden) obsidianenen Welt eindrucksvoll gelingt. Da taucht kein dumpfes Monster auf, sondern eine einfach ganz und gar andersartige Wesenheit kommt in Kontakt mit der Welt der 19. Jahrhunderts.

Und genau diese „echten“ Personen sorgen schon alleine für eine abwechslungsreiche und vielschichtige Handlung. Dabei schafft es Ju immer wieder, den Leser bei der Einschätzung der Charaktere zu überraschen – wo bei anderen Romanen schon nach dem ersten Kapitel den weiteren Verlauf bis zum Ende des Buches vorhersagbar ist, bleibt das Obsidianherz von Anfang bis Ende spannend. Dabei ergeben sich die Wendungen immer ganz selbstverständlich, nur dass man das halt vor dem Anfang des aktuellen Kapitels noch nicht erkannt hatte.

Eine heute noch lesbare Geschichte im 19. Jahrhundert anzusiedeln ist für jeden Autor sprachlich eine Herausforderung, will man nicht in den Schmäh der Sissi-Filme oder gestelzte Sprachdrechseleien abdriften. Juliane Honisch schafft es, das Buch merkbar in dieser Zeit zu verankern, aber dennoch (oder: darum?) farbig und lebendig, mit ihrem trockenen Humor und sehr gut lesbar zu schreiben.

Und was ist „Das Obisianherz“ denn nun?
Fantasy oder geschichtlicher Roman?
Krimi oder 19.Jahrhundert-Romanze?

Ich würde sagen: es ist einfach ein großartiges Buch.

Volker Tanger
       
       
 

 

 
Weitere Bücher von Ju Honisch:
  • Bisse. 17 ungewöhnliche Geschichten / Bisse
  • Das Obsidianherz / Obsidian Hearts
  • Seelenspalter / Seelenspalter
  • Blutfelsen / Blutfelsen

     




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