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Kino
22. September 2019

Gemini Man - Footage Screening

dom

Erfahrungsbericht zum Gemini Man Footage Screening in Berlin in Anwesenheit von Stuart Adcock (Head of Facial Motion von Weta Digital).

Bei Gemini Man geht es in groben Zügen, um den gealterten Auftragskiller Henry Brogan (Will Smith), der von einem unheimlichen Gegner gejagt wird. Dieser Gegner scheint alle seine Züge zu kennen, ihm immer einen Schritt voraus zu sein und quasi seine Gedanken lesen zu können. Was, wie sich schnell herausstellt, daran liegt daß es Henry Brogan selbst ist der sich jagt. Beziehungsweise eine jüngere, bessere Version von ihm.

Ein alter (ca. 51 Jahre) Will Smith gejagt von seinem jüngeren (ca. 23 Jahre) Klon. Dass dieses ungewöhnliche Setting, noch dazu inszeniert von dem herausragenden Ang Lee, einen tollen, spannungsgeladenen Film verspricht, lässt der Trailer schon deutlich ahnen. Das Drehbuch geistert allerdings bereits seit 1997 durch Hollywood, schmorte also mehr als 20 Jahre in der "development hell" und galt lange als unverfilmbar. Kein Wunder, wie will man auch einen Schauspieler um 30 Jahre verjüngen? Einfach einen jüngeren ähnlich aussehend Schauspieler nehmen’? mit Masken und Make-Up? Nichts davon würde wirklich funktionieren und hätte auch nur einen ähnlichen Effekt haben wie man ihn in den Trailern bereits erahnen kann. Und die Digitaltechnik war noch nicht so weit. Sicherlich, man hat sich mittlerweile an "motion capture" gewöhnt, Schauspieler vor Greenscreen mit lustigen Markern auf dem Anzug und im Gesicht, deren Bewegungen und Mimik detailgetreu auf digitaler Figuren übertragen werden. Weta hat hier mit Gollum aus "Herr der Ringe" vor Jahren bereits unglaubliches geleistet und Neuland beschritten. Auch aktuellere Filme wie "Avengers Endgame" aus dem MCU oder "Alita: Battle Angel" (am beiden war übrigens ebenfalls Stuart Adcock beteiligt) machen ausführlich Gebrauch von der Technik. Stets aber geht es um "künstliche" Figuren, seien es Superhelden oder Roboter. Aber einen echten Menschen, noch dazu in einer Hauptrolle (!), realistisch und mit allen Emotionen, digital neu zu erschaffen, war bisher nicht möglich. Bisher!

Um einen Eindruck zu geben, was Weta hier geleistet hat, möchte ich kurz die 3 Szenen schildern, die im Screening zu stehen waren. Alle drei Szenen sind auch in kurzen Ausschnitten im Trailer zu sehen, wurden im Screening aber in voller Länge über mehrere Minuten gezeigt.




Szene 1 - Das erste Aufeinandertreffen
Der alte Henry bemerkt in seinem Hotelzimmer dass draußen ein Scharfschütze auf ihn lauert - sein jüngeres Ich. Er flüchtet und was folgt ist eine wilde, actiongeladene Verfolgungsjagd, zu Fuß und auf dem Motorrad. Nicht nur dass die Action hervorragend funktioniert und Lust auf mehr macht, hier treffen vor allem die beiden Henrys zum ersten mal direkt aufeinander! Man bekommt als Zuschauer einen ersten Eindruck von der Interaktion der beiden.

Szene 2 - Kampf in den Katakomben
Der alte und der junge Henry treffen in den düsteren Katakomben aufeinander und liefern sich einen beeindruckenden Kampf. Mit Waffen und Fäusten, auf Distanz und Wange an Wange um sich schließlich Angesicht zu Angesicht mit sich selbst zu konfrontieren. Wiederum würde die Szene auch mit 2 Schauspielern hervorragend funktionieren, aber mit 2 mal Will Smith (Wange an Wange! In Großaufnahme!) will man unbedingt noch mehr sehen.

Szene 3 - Konfrontation mit dem Schöpfer
Der junge Henry weiß mittlerweile dass er ein Klon ist und konfrontiert seinen Schöpfer/Adoptivvater mit der Wahrheit. Dieser hatte ihm bisher immer erzählt er sei adoptiert worden und entsprechend emotional ist diese pure Vater/Sohn Szene auch. Es wird geschrien, diskutiert, gestikuliert und der junge Henry weint bittere Tränen aus seinen geröteten Augen als er seinen Vater fragt "Warum?".


Es wird schnell klar warum diese 3 Szenen für das Screening ausgewählt wurden, sie eignen sich hervorragend um den jungen Will in all seinen Facetten zu präsentieren - in schneller Action, draußen, drinnen, in Faustkämpfen mit sich selbst, in Großaufnahme und enorm emotional. Da ist alles dabei und wenn man sich dann noch verdeutlicht dass der junge Klon komplett (!) digital (!!) ist, bekommt man eine Ahnung welchen Herausforderungen sich das Team um Stuart Adcock stellen musste. Dazu kommt dass Ang Lee den Film auf modifizierten ARRI Kameras in stereoskopischem 3D mit 120 Frames/sec gefilmt hat. Das ergibt einen Schärfe- und Detailgrad als wenn, wie Stuart Adcock es ausdrückte, "man einen Moment in der Zeit einfrieren würde". Auch herkömmliches Make Up stößt da an seine Grenzen, weil man einfach das Puder auf der Haut sieht. Entsprechend realistisch muss auch die digitale Simulation bis ins kleinste Detail, sozusagen die kleinste Hautpore stimmig sein. Insbesondere echte Emotionen zu erschaffen, die wirklich und wahrhaftig menschlich wirken, ist auf diesem hyperrealistischen Level eine enorme Herausforderung. Wie wir von guten Schauspielern wissen ist es "das Gesicht das die Geschichte erzählt" und da kommt es auf jede kleine Regung (Stichwort : Mikro-Emotionen), jedes Muskelzucken und jede Falte an.

Um das zu schaffen, nahm sich das Team zunächst ein ganzes Jahr Zeit um einen digitalen Will Smith zu erschaffen. Basierend auf zahllosen kurzen Shots vom echten Will auf einer sogenannten "Light Stage" (auf der alle Elemente der Beleuchtung ganz nach Wunsch eingerichtet werden können) wurde ein digitales Alter Ego und ein basis Katalog von Bewegungsabläufen geschaffen. Im nächsten Schritt ging es an die Verjüngung. Hier orientierten sich die Weta Magier an älteren Will Smith Werken, wie dem Prinz von Bel Air oder Bad Boys. Gerade Bad Boys war ein Maßstab, zu dem Stuart Adcock eine nette Anekdote erzählte: um zu testen ob der junge Will realistisch genug war, haben sie "einfach" den echten Will in ein paar Bad Boys Szenen gelöscht und durch ihren digitalen Will ersetzt. Das Ergebnis präsentierten sie dann auf einigen frühen Presse-Screenings zu Gemini Man den unwissenden Journalisten. Und tatsächlich fiel niemand der Unterschied auf.

Das war allerdings längst nicht gut genug, um eine aktuelle Produktion wie Gemini Man zu stemmen. Zum einen war die Auflösung damals einfach niedriger und auch das gröbere Filmkorn hilft zu kaschieren. Zum anderen hat sich aber auch Will Smith in seiner schauspielerischen Leistung in den letzten 30 Jahren enorm weiterentwickelt, so dass eine 1:1 Kopie eines jungen Will einfach nicht gut genug ist. Darauf hat sowohl Will Smith in einem Einspieler, als auch Chef-Animator Adcock mehrmals hingewiesen. Vielmehr musste tatsächlich der aktuelle Will digital verjüngt werden. Dies gelang letztendlich mit einer Mischung aus Face-Capture, prozeduralen Algorithmen, neuronalen Netzwerken ("Deep Learning Solver") und händischer Animation. Diese Mischung etlicher selbst entwickelter, hoch spezialisierter high-end Technologien ermöglichte es dann Details wie die Falten und Fältchen, quasi das "Muskelgedächtnis" der Haut und eben Emotionen so realistisch abzubilden dass es tatsächlich ein junger Will Smith ist der einem dann ins Gesicht schaut. Gleichzeitig konnten aber auch jederzeit die Animation regulierend eingreifen ohne sich um jedes Detail selbst kümmern zu müssen. Die neuronalen Netze "wissen" gewissermaßen wie sich jener Muskel bewegt und jenes Hautfältchen ändert falls die linke Augenbraue hochgezogen wird und gehen einem entsprechend zur Hand.

Das Ergebnis ist unfassbar realistisch. Ich habe Ihnen jedenfalls den digitalen Will in allen Szenen ohne Wenn und Aber komplett abgenommen. Nicht eine Sekunde dachte ich beim schauen der Szenen, dass der junge Will irgendwie nicht so echt wäre wie der alte Will. Und mit dem ganzen Wissen welcher Aufwand dahinter steckt und dass es tatsächlich eine komplett digitale Figur ist, wurde mein Staunen nur noch größer.

Das ist zum Einen enorm faszinierend, was mit der aktuellen Technik mittlerweile möglich geworden ist. Zum Anderen aber auch ein bisschen scary - wenn nun auch die letzten Grenzen zu hyperrealistischen Animationen fallen, wo soll das noch hinführen?

Meine Vorfreude auf den Film ist auf jeden Fall nochmal gestiegen und ich bin gespannt ob die Story dem Aufwand auch gerecht wird. In die Filmgeschichte eingehen dürfte der Film auf jeden Fall, zumindest was die Tricktechnik angeht.

dom



http://GeminiMan-Film.de


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